Ein Sonntag

4. Juni 2012 0:31

In Freiburg spielen zwei betrunkene Jungs im Sonnenaufgang Basketball, in Nigeria stürzt ein Flugzeug ab und die Linke streitet sich auf dem Parteitag. Gleichzeitig kriegen Forscher raus, dass unsere Milchstraße mit einer anderen Galaxie zusammenstoßen wird. Zerstörung pur. Ein Korbleger misslingt, das Flugzeugwrack verglüht, steuert eine Partei nach rechts oder nach links? In vier Milliarden Jahren sind wir plötzlich weg. Wir sind so klein, so verdammt klein. Und das Netz zischt, der versenkte Wurf lässt mich über beide Ohren strahlen.

Die Gedanken bleiben frei

6. Februar 2012 23:05

Die Gedanken sind frei
Und das ist schlecht
Denn Kästner hat Recht:
Es gibt nichts Gutes
Außer man tut es!
Drum will ich sie in Schranken weisen
Doch die Gedanken bleiben frei.

Chancentod

20. Oktober 2011 18:18

Auf der Straße laufe ich Evangeline Lilly über den Weg und mit einem engelhaften Lächeln fragt sie mich, ob ich Lorenz bin. Mürrisch schüttle ich den Kopf und speie Verzieh dich, du Hexe in ihre Richtung.
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Reimen war Gestern!

15. September 2011 1:00

An der Uni nennt
Man mich Studierenden
Und ich krieg als Lohn
Für mein Studieren den Bachelor

Mit dem Auto durchs frühmorgendliche Köln

5. September 2011 23:23

Ecke Vogelsanger-Äußere Kanalstraße: Früh morgens auf dem Weg zur Arbeit, am Büdchen stehn schon zwei Arbeiter, beim ersten Käsebötchen tauscht man sich über Gott und die Welt aus. Die Müllabfuhren kommen eine nach der anderen aus ihrem Lager gerumpelt und biegen in die nächtlichen Straßen ein. Es regnet, doch ich kann mich nirgends unterstellen, denn an dieser Kreuzung warte ich auf meinen Kollegen, der mich mit zur Arbeit nimmt. Paarweise rauschen Lichter und Scheibenwischer durch den Regen an mir vorbei. Ich weiß, dass ich auf ein kaputtes Licht warte, also ein einzelnes. Minutenlang lasse ich die Autos vorbeiziehen, versuche Gesichter hinter den verschwommnen Scheiben zu erkennen, sehe überall einzelne stumme Gesichter auf dem Weg zu einem harten Arbeitstag.
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Ein lauer Sommerabend im August

28. August 2011 11:30

Golden bricht das Licht
Durch die Fenster
Die letzte Stunde
Auf dem Balkon

Das Hupen
eines Zuges
Durchbricht die Stille
Ich bleibe hier

Die Ampel schaltet nicht mehr
Ein Mann schaut sich um
Bleibt stehn
Und lüftet den Hut

Eine Frau fühlt sich gut
Und schaltet Musik ein
Leises Knistern
Sie sucht dem Empfang

In Schatten getaucht
Die Straße döst schon
Das gefällt mir
Drum tu ich es auch.

Wo sind die Menschen?

27. August 2011 20:42

Wo sind die Menschen?
Ich spüre sie nicht
Ich kann mich bewegen
Und stoße nirgendwo an.

Ich sehe sie alle
Jeden Tag und überall
Sie sehn mich auch
Doch wir erkennen uns nicht.

Ich kann meinen Weg gehn
Wohin ich auch will
Doch er geht nirgendwo lang
Keine Kreuzung in Sicht.

Kein Wirtshaus in Sicht
Keine Bettler am Weg
Nur Menschen, die laufen
Verlaufe ich mich?

Das frag‘ ich mich wirklich
Und ruf es hinaus
Doch der Lärm verschluckt es:
Wo sind die Menschen?

Wenn du durchhängst.

27. August 2011 13:37

Es gibt Tage, da merkt man schon morgens, dass man heute keine bahnbrechenden Leistungen vollbringen wird. Wenn man sich trotzdem aufrafft und an einem Samstagmorgen in die Uni geht, passiert folgendes:

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O kadar güzel

25. August 2011 20:29

In Mannheim steigen sie in den Zug. Eine hübsche dunkelhaarige Frau, elegant gekleidet. Merkwürdigerweise lässt sie sich von Stress und Hektik des vollen Abteils, von Geschiebe und Gerücke nicht anstecken. Sie flüstert ihrem kleinen, ebenso schwarzhaarigem Sohn Mut zu, sich neben mich zu setzen. Ihre Tochter mit Brille und Buch setzt sich davor, der Zug ist zu voll. Sie selbst stellt sich in den Gang und erscheint nur ab und zu, um ihren schweigenden Kindern türkisch zuzuflüstern. Die Kinder lauschen gebannt und flüstern zurück. Ich überlege ihr anzubieten, meinen Platz mit der Tochter zu tauschen, damit die beiden sehr schüchtern wirkenden Kinder nebeneinander sitzen können. Jedoch traue ich mich nicht, in diese innige familiäre Situtation einzugreifen und außerdem könnte ich dann nicht mehr diesem unglaublich liebevollen und zärtlichen Umgang untereinander folgen, in der wunderbaren türkischen Flüsterei untertauchen.
Bis Frankfurt musste ich mit ansehen, wie eine fette Mutti ihrer fetten Schwester gezeigt hat, wie toll ihr segelohriges Joel-Kind auf Befehl dies und das aussprechen kann. Untermalt wurde das Theater von zeternden Opas und murmelden Nachbarn, die irgendwas von Fremdschämen und Hartz4 geplappert haben. Bis Frankfurt hatte ich lieber die Kopfhörer auf. Aber die beruhigenden türkischen Worte, die jetzt zwischen den Sitzen umherhuschten, fesseln mich mit Klang und Melodie. Die 4 dunklen Augen der Kinder suchen immer wieder Halt in den noch dunkleren Augen der Mutter und das täte ich auch gern. Alles ist sehr ruhig, so eine Geduld zwischen Kindern und Mutter habe ich selten gesehen. Doch wirken auch alle drei sehr ernst und traurig. Da ich mich nicht traue, durchweg rüberzustarren, muss ich mich dem Lauschen hingeben. und lasse mich mit beruhigen, dass wir nur noch einmal umsteigen müssen. Das passiert leider schon in Karlruhe und ich fahre alleine weiter durch den warmen Sommerabend.

Völlig fertig…

24. August 2011 17:31

Wieder einmal hat mich extremes Wetter inspiriert, dabei sind es die (langersehnten) ersten heißen Tage in diesem Jahr.

Die Hitze hängt über dem Asphalt
Wer noch nicht geflohen ist
watet als Elefant durch den Schweiß
Schatten wird verkauft
Aber langsam, ohne Feilschen

Ich schütte Wasser in Münder
und wate weiter
Mittagspause von 11 bis 6
Danach völlig fertig
ins triefende Laken

Fieberträume
von verquollnen Gesichtern
Raushängenden Bäuchen
Verfilzten Haaren
Beim Stolpern in den Schweißteich

Wache ich auf
Verklebt
Und wate weiter völlig sinnlos
Durch den dickflüssigen Tag