Auf der Straße laufe ich Evangeline Lilly über den Weg und mit einem engelhaften Lächeln fragt sie mich, ob ich Lorenz bin. Mürrisch schüttle ich den Kopf und speie Verzieh dich, du Hexe in ihre Richtung.
Nur diese Story könnte das toppen, was einem guten Freund von mir heute passiert ist. (Der gute Freund den jeder hat; von dem man weiß, wo der Puff ist und der ständig von peinlichen Krankheiten heimgesucht wird, nach dessen Behandlungsmöglichkeiten man sich fürsorglich bei Dritten erkundigt.) Dieser gute Freund interessiert sich jedenfalls brennend für Fussball, an keinem Wochenende verpasst er die Bundesliga und mit Fug und Recht kann er behaupten, dass es wenige gibt, die sich mehr für Fussball begeistern können als er. Als nun dieser gute Freund, nennen wir ihn in Zukunft der Einfachheit halber mal Nzlero eines Tages die Wohnung verlässt, hat er im Hausflur eine Begegnung. Diesem hübschen Mädchen ist er noch nie begegnet, die kann noch nicht lange hier wohnen. Mürrisch brummt er Hallo und schlurft weiter. Als er innerlich schon die Faust ballt, wie souverän und eloquent er in diesem Zusammentreffen, ja in diesem Flirt aufgetreten ist, wird Nzlero aufgehalten. Entschuldigung wispert ihm das Mädchen hinterher und erschüttert das Verhaltensgerüst dieses Zeitgenossen damit in seinen Grundfesten. Was Nzlero antworten will, lautet folgendermaßen: Ja, hey, seit wann wohnst du eigentlich hier, ich hab dich hier noch nie gesehen, stattdessen entscheidet er sich für ein gegrummeltes Ja was ist denn? Das Mädchen lässt sich überraschenderweise von diesem Duktus der Abneigung nicht aufhalten und fragt, ob er sich denn für Fussball interessiere und im zweiten Stock wohne. Nzlero weiß sofort, was sie meint. In letzter Zeit hört man während Fussballspielen das Gegröle einiger Jungs durch das Haus hallen. Entrüstet ob dieser Anschuldigung antwortet er Nein, das sind wir nicht, du musst dich im Zweiten Stock rechts beschweren, nicht links.
Nzlero hat sich allerdings vertan. Wie das Mädchen jetzt richtig stellt, war sie nicht auf der Suche nach den Übeltätern, sondern nach jemandem, mit dem sie mal Fussball schauen kann, da sie keinen Fernseher bei sich hat. Das gibt dem Gespräch (wenn man diese asymetrische Konversation denn so nennen kann) natürlich eine neue Wendung. Ein Steilpass auf Nzlero, der nur noch den Fuss hinhalten und einnetzen muss. Wenn wir auf der Bildebene des Fussballspiels bleiben, nimmt er diesen Traumpass allerdings so ungeschickt an, dass er damit gleichzeitig ein Eigentor schießt, einen Mannschaftskollegen verletzt und mit Rot vom Platz fliegt. Quasi Kuba gegen Freiburg und Mario Gomez gegen Österreich in Personalunion. Was Nzlero antworten will, lautet folgendermaßen: Ja, ich gucke regelmäßig Fussball, du kannst gerne mal mitkommen, diesen Samstag zum Beispiel Dortmund gegen Köln, stattdessen entscheidet er sich dafür, sein Fussballinteresse zu verschweigen Ja nee, da musst du mal die andern Jungs fragen, viel Erfolg noch, Tschüss. Er braust davon und lässt das Mädchen konsterniert zurück.
Die einzige Hoffnung, die ich für meinen guten Freund Nzlero noch habe, ist, dass er nicht wie Kuba immer nur mit diesem einen Moment in Verbindung gebracht wird, sondern den Weg des Mario Gomez einschlägt und sich nach seiner vergebenen Chance zu einem der weltbesten Torjäger entwickelt.